Warum Ärgern so toll ist

Die meisten Menschen unterdrücken ihren Ärger oder ärgern sich, in dem sie Verantwortung von sich weisen und die Schuld jemand anderen geben. Auch ich habe das jahrelang so gemacht. Das war auch keine große Kunst, wird es uns als Kinder und Jugendliche doch tagtäglich von den Erwachsenen gezeigt. Und auch später ist Ärgern eher nicht gesellschaftsfähig – außer man über jemand anderen schimpfen und die Schuld geben. Da ist schnell jeder dabei. 🙁

 

Ich ärgere mich ab jetzt nur mehr bewußt!

 

Mittlerweile ärgere ich mich aber so gut es geht nur mehr bewusst. Doch bevor ich dir erzähle, wie es dazu kommt, warum ich das so mache und wie es mir nützt, möchte ich kurz erklären, was das Ergebnis ist, wenn du, wie oben beschrieben den Ärger unterdrückst oder die Schuld an der ärgerlichen Situation jemand anderen gibst.

Foto by Gunter Kaiser
Foto by Gunter Kaiser

Das passiert, wenn du deinen Ärger runterschluckst!

Wenn du Ärger unterrückst, also runterschluckst, dann musst du ihn auch verdauen. Alles, was runtergeschluckt wird, muss man verdauen. Das ist beim Menschen einfach so vorgesehen. Irgendwann ist der Magen aber voller Ärger und es hat kein weiterer Ärger mehr Platz. Was passiert also, wenn du dich „überfressen“ hast?

Dir wird schlecht und du bekommst Bauchweh. Es können auch Entzündungen auftreten und dein Immunsystem wird geschwächt bis hin zu Depressionen, die man heutzutage Burn-Out nennt (Burn-Out entsteht nämlich nicht durch zu viel Arbeit, sondern durch psychische Belastungen, zu denen unter anderem auch Ärger gehört). Kurz: Du wirst krank! Krank vor Ärger!

Das passiert, wenn du die Schuld jemand anderem gibst!

Wenn du die Schuld jemand anderen gibst, wenn du dich ärgerst, dann gibst du die volle Verantwortung deines Lebens in dieser Situation aus der Hand. Das heißt, du wirst handlungsunfähig und ich denke, das ist psychisch wiederum eine sehr belastende Situation, die krank machen kann. Weil du handlungsunfähig bist, wirst du dich über weitere Situationen ärgern und so immer weiter in einen Strudel von negativen Erlebnissen kommen, gegen du nichts tun kannst.

Denke mal nach, welches Gefühl kommt in dir auf, wenn du handlungsunfähig bist und immer mehr Situationen auftauchen, in denen du nichts tun kannst, weil ja wer anderer Schuld hat? Fühlt sich nicht gut an, oder?

 

Dein Ärger-Stil

Ich möchte, dass du kurz inne hältst und mal in dich hinein hörst. Denke ausnahmsweise mal an Situationen, in denen du dich ärgern musstest. Wie verhältst du dich, wenn du dich ärgerst? Sei ganz ehrlich zu dir und fühle. Lass deinen Bauch antworten. Welche Gefühle kommen hoch? Bist du dann wie versteinert? Fühlst du dich ohnmächtig? Du musst es jetzt eh niemanden sagen, nur ehrlich zu dir selbst sollst du sein. Passen diese Gefühle zu dem, was ich oben geschrieben habe?

 

Mein Ärger-Stil

Ich habe mich jahrelang so verhalten. Ich war der Überzeugung, dass ich natürlich immer alles richtig gemacht habe und wenn es andere nicht so gemacht haben, wie ich es wollte, habe ich mich geärgert. Natürlich waren die anderen schuld! „Wie kann man nur so begriffsstutzig sein“, habe ich gedacht.

Doch mir hat diese Einstellung rein gar nichts gebracht. Im Gegenteil, ich habe mich über immer mehr Dinge und Situationen geärgert, je älter ich wurde. Ich gab die Verantwortung über mein Leben an die Menschen um mich herum ab. Letztendlich führte diese Verantwortungslosigkeit zu Krankheit und Stillstand. Aber auch in dieser verfahrenen Situation, in der ich bereits im Krankenstand war, haben immer noch die anderen Schuld an meiner schlechten Situation gehabt: Der Chef, die Firma, die anderen Autofahrer,…

Das ging so lange, bis ich nicht mehr weiter wusste. Ich war dauernd nur am rumnörgeln und nichts gelang mir gut. Irgendwann war ich an einem Tiefpunkt angelangt, was sich in zwei Burn-Outs innerhalb ein paar Jahren äußerte. Und so ein Burn-Out ist kein schönes Erlebnis, das kann ich dir versichern. Doch erst nach dem 2. Burn-Out fing ich an nachzudenken und da gab es plötzlich die Wende. Ich lernte, wieder selbst Verantwortung für mein Leben zu übernehmen.

Zuerst ging es radikal in die andere Richtung. Ich versuchte, nur mehr positiv zu denken, doch das war wieder nur eine andere Form des Ärger-Unterdrückens. Ich musste erst Schritt für Schritt lernen, im Gleichgewicht zu sein und Ärger und Aggressionen bewusst zu zulassen. Ich lernte, dass es immer Situationen geben wird, über die ich mich ärgern werde bzw. dass es immer Menschen geben wird, die einfach Dinge anders machen als ich. Aber das Wichtige, das ich gelernt habe oder das ich geändert habe, war meine Reaktion auf diese ärgerlichen Situationen. 🙂

 

Ich ärgere mich bewusst, dafür aber selten!

In meiner Entwicklung lernte ich dann, den Ärger bewusst wahrzunehmen. Bewusst ärgern heißt nicht, dass ich alles dran setze, um mich zu ärgern. Nein, im Gegenteil, ich bin froh, wenn ich mich nicht ärgere. Aber falls ich mich dann doch mal ärgere, dann bewusst und das läuft folgendermaßen ab:

„Halt Stefan, über was ärgerst du dich jetzt genau?“ Hier analysiere ich, was es genau ist, über das ich mich ärgere, den meistens ist es nicht das Offensichtliche. Ein Beispiel: Einer meiner Kollegen, der mich immer darauf aufmerksam machte, dass ich Dokumente immer mit Kommentaren versehen soll, damit wir später noch nachvollziehen konnten, wo gewisse Zahlen und Anmerkungen herkamen, ärgerte mich maßlos. Grund war, dass genau dieser Kollege das nicht machte, wenn er Unterlagen erstellte. Der offensichtliche Ärger hat dann so gelautet:

„War es die Tatsache, dass er mich, obwohl er nicht mein Chef war, dauernd ermahnte, die Kommentare zu schreiben?“

„War es die Tatsache, dass gerade er keine Kommentare schrieb, obwohl er es von mir verlangte?“

Merkst du, was in diesen beiden Schuldzuweisungen drinnen steckt? Die Schuld und die Verantwortung habe ich zu diesem Zeitpunkt auf meinen Arbeitskollegen geschoben. In diesen Schuldzuweisungen steckt ein totaler Stillstand. Ich war völlig vom Verhalten des Kollegen abhängig.

Mein bewusstes Ärgern äußert sich jetzt so: Ich denke in so einer Situation also nach, über was ich mich eigentlich wirklich ärgere, also was der tiefere Sinn in dieser Situation ist! Also was genau ärgerte mich? Ich lernte, diesen Ärger anders zu formulieren:

„Wo ermahne oder setze ich Menschen in meinem Umfeld unter Druck, etwas zu tun, ohne dass ich es aber dann selber mache?“

Merkst du den Unterschied zwischen diesen beiden „Ärger-Definitionen“? Im letzten Satz übernehme ich die völlige Verantwortung für die Situation. Das hat mehrere Effekte:

  • Die ursprüngliche Situation, über die ich mich ärgerte, hat plötzlich keine Bedeutung mehr
  • Ich lerne mich besser kennen und erkenne, wo ich selbst andere Menschen vielleicht sogar unter Druck setze
  • Und was unterbewusst noch abläuft, wenn man diese Situation erkannt hat ist, dass ich mich nicht mehr darüber ärgere.

 

Das Zauberwort: Selbstreflexion

Diese Methode nennt man auch Spiegelmethode und sie hat mir sehr geholfen, mich nicht mehr grundlos zu ärgern und ich habe sehr viel über mein eigenes Verhalten gelernt. Ich habe herausgefunden, wie ich selbst Situationen erschaffen habe, über die ich mich dann ärgerte. Du kannst auch Selbstreflexion dazu sagen. Im Endeffekt ist es egal, wie du es nennst. Wichtig ist, dass du deinen Ärger als Zeichen erkennst, daraus zu lernen und dich so weiter zu entwickeln.

Frage dich also beim nächsten Mal, wenn du dich ärgerst:

„Was ist es genau, was mich gerade ärgert und was hat es mit mir zu tun?“

„Wo in meinem Leben verhalte ich mich gegenüber anderen genauso, wie es in dieser ärgerlichen Situation gerade mit mir passiert?“

Merke dir, jedes Verhalten eines anderen, das dich ärgert, zeigt dir dein eigenes Verhalten. Das ist immer so. Auch bei Verhalten, das du gut findest. Nur merkst du es da nicht so. denn du ärgerst dich ja nicht darüber. Dennoch, jeder Ärger über andere zeigt dir ein Verhalten an dir selbst, das du unbewusst an dir nicht magst.

Das mag nun erstmal etwas verwirrend klingen. Aber probier es einfach immer wieder aus und achte bewußt auf deinen Ärger. Dann wirst du wahrnehmen, was sich an dir ändert und du wirst dich immer weniger über Situationen ärgern. 🙂 Ich habe es an mir selbst in den letzten Monaten erlebt und ich bin sehr froh über diese Erkenntnis, denn sie macht das Leben wieder ein Stück schöner und zufriedener!

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Unterschrift_Stefan

 

 

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